31. August 2011
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(tH) Auf nach Bremerhaven! Für die 42 Reiselustigen, die am 27. August um 8 Uhr mit der Südstadt-SPD auf Fahrt gingen, war das der Grund für die Anmeldung. Die sieben Millionen Menschen, die von dort aus nach Amerika auswanderten, begannen mit diesem Zuruf eine Reise ins Ungewisse.
Entdeckt von Sandra Schaub: eine Mitgliedskarte eines Genossen, der auswandern musste
Früher war Bremerhaven der wichtigste Überseehafen Deutschlands für Passagiere, noch bedeutender als das „Tor zur Welt“ Hamburg, von wo aus etwa fünf Millionen zu neuen Ufern aufbrachen. Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven lädt ein zu einer Zeitreise in die Neue Welt und zu einer Abenteuerreise durch die eigene Familiengeschichte. Wilfried Kretschmer, der die Fahrt dorthin organisiert hatte, schloss der virtuellen Reise noch eine reale an. Mit dem Ausflugsschiff „Geestemünde“ erkundeten die Hildesheimer die Hafenanlagen und den größten zusammenhängenden Container-Terminal der Welt an einer so genannten Strom-Kaje.
Wer das Auswandererhaus betritt, erhält statt einer Eintrittskarte einen Boarding Pass und mit ihm eine neue Identität. So wurde aus dem Ortsvereinsvorsitzenden Hartmut Häger der Hubschrauberkonstrukteur Manfred Schnetzer, der 1952 als 17-Jähriger nach den USA aufbrach, weil es hier so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verboten war, Flugzeuge herzustellen. Sein Vater war Flugzeugbauer gewesen, und sein Sohn wollte in seine Fußstapfen treten. Er erreichte sein Ziel, hatte Erfolg und fand in den Staaten auch sein persönliches Glück. Er lebt noch, seine sechs Kinder schenkten seiner – deutschen – Frau und ihm viele Enkel. Ehrenamtlich pflegt er die Erinnerung an die Heimatkultur und das Zusammenleben der deutschen Gemeinschaft.
Die anderen Reiseteilnehmer erhielten andere Biografien. Vielen erging es zwischen Kap Hoorn und Alaska nicht so gut. Manche kehrten enttäuscht oder zu Wohlstand gekommen wieder in die alte Heimat zurück. Zwischen 1830 und 1974 spielte sich ab, was die Hildesheimer nacherlebten. Sie mischten sich in der Halle „Abschied“ unter die dort, an der Kolumbus-Kaje, zwischen Karren voller Koffer Wartenden, bestiegen das Schiff über die Gangway, durchquerten die Schlaf- und Speiseräume der 3., 2. und 1. Klasse und erreichten schließlich das Ziel aller Träume: Ellis Island, die Insel der Tränen im Schatten der Freiheitsstatue. Sie begrüßt auf ihrer Inschrift die Müden, die Armen, die geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren, und „den elenden Auswurf der gedrängten Küsten“ Europas, doch zugelassen wurden all diese nur nach einer ärztlichen Kurzdiagnose und einer Beantwortung von 29 Fragen gegenüber einem Inspektor. Jeder kann testen, ob er das Gelobte Land hätte betreten dürfen, oder ob er, wie etwa zwei Prozent, umgehend und auf Kosten der Reederei wieder zurückgeschickt worden wäre.
Das Ocean Cinema zeigt zwei Filme, die dem Schicksal von Auswanderern in den USA und in Argentinien nachgehen. Wer sich auf die Suche nach eigenen Angehörigen begeben will, findet seine emigrierten Vorfahren vielleicht in einer der vier Datenbanken wieder.
Bremerhaven: Stromkaje
Um 14 Uhr begann im Neuen Hafen die zweistündige Schnupper-Seereise mit der MS „Geestemünde“. Fünf Container-Terminals reihten sich fünf Kilometer lang aneinander. Die meisten der zahllosen Kranbrücken, die wie stählerne Riesengiraffen aussehen, reckten ihre Hälse steil nach oben oder nach vorn. Über die wenigen dicken Pötte, die an der Kaje angelegt hatten, schwebten die 6 oder 12 Meter langen Container hin und her. Die über 345 Meter lange Maersk Singapore, die gerade beladen wurde, kann 8.500 dieser Stahlkisten aufnehmen. Gelb blinkende Portalhubwagen umwuselten sie wie von Geisterhand gelenkt und schleppten die zwischen ihren Greifern klemmenden Container zu den Kranbrücken. Was vor wenigen Jahren noch tausende Schauerleute mit viel Schweiß erledigten, bewältigen jetzt flink und mühelos die stakeligen Last-Ameisen. Menschen waren von der Weser aus im zweitgrößten Containerhafen Deutschlands – der weltweit an 19. Stelle steht – nicht mehr zu sehen.
Um 20 Uhr betraten die Hildesheimer wieder den sicheren Grund der Innerste-Metropole. Unterwegs hatte Wilfried Kretschmer schon über das Ziel der Fahrt im nächsten Jahr sinniert. Verraten hat er nichts, nur so viel: es hat wie immer wieder etwas mit Wasser zu tun.
Kommunalpolitik
1 Kommentar zu SPD auf Fahrt zum Auswanderer- und Containerhafen
Bredtschneider
1
am 08. September 2011 um 16:58 Uhr
Vielen Dank für die kundige Führung und Organisation der Fahrt.
Mit vielen neuen Eindrücken habe ich unser Ziel Hildesheim wieder erreicht.
Ich fahre gern wieder mit.
Brigitte Bredtschneider
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