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SPD: Starkes Interesse an neuen Wohnformen im Alter

21. April 2010 0 Kommentare

(tH) 93 Prozent der über 65-Jährigen möchten bis zuletzt in ihrer Wohnung leben. Nur zwei bis drei Prozent denken an betreutes Wohnen, nur ein Prozent strebt eine alternative Wohnform an. Diese Zahlen nannte die Hildesheimer Architektin Petra Willke-Fischer bei einer Stadtteilversammlung, zu der die SPD, Ortsverein Marienburger Höhe/Itzum eingeladen hatte.

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Matthias Jung (stehend links) und Petra Willke-Fischer (vorn sitzend) vor interessiertem Publikum. Im roten Pullover OV-Vorsitzender Hartmut Häger.

Das starke Publikumsinteresse widerlegte die Statistik. Achtzig Personen drängten sich in der Clubgaststätte des MTV von 1848 „Akropolis“, um sich von Architekt Matthias Jung über das im Bau befindliche „Haus Sankt Georg“ an der Schratwanne und von Willke-Fischer über gemeinsames Wohnen im Alter informieren zu lassen.
2007 hatte das Architekturbüro Jung den Wettbewerb zur Neugestaltung des alten Itzumer Festplatzes gewonnen, gegenwärtig ist die Baugrube ausgehoben und die Fundamentplatte gegossen, 2011 soll die Anlage fertig sein. Matthias und Daniel Jung sowie Sven Schumacher vom Christopherus-Stift möchten mit ihrem Angebot die Voraussetzungen für ein individuelles und würdiges Leben im Alter schaffen, das so selbständig wie möglich geführt werden kann. Für den Fall des Falles ist aber alles in der Nähe und im Notfall rund um die Uhr verfügbar. Für achtzehn Personen, die auf ambulante Pflege angewiesen sind, wird es im Erdgeschoss eine Wohngruppe geben, die über einen eigenen Gemeinschaftsraum und eine Küche verfügen wird. Die eigentlichen Service-Wohnungen verfügen über zwei bis drei Zimmer und liegen in den beiden Obergeschossen. Zwei Fahrstühle bringen die Bewohnerinnen und Bewohner nach oben und in den Keller.
Den Preis mochte der Architekt noch nicht nennen, weil er den Spannungsbogen bis zum 28. April aufrechterhalten wollte. Erst dann wollten die Betreiber im Christopherus-Stift die Katze aus dem Sack lassen. Auf jeden Fall versprach Jung eine solide und energieeffiziente Bauweise, die für einen Energieverbrauch von etwa 55 Prozent des heute üblichen Standards sorgen wird. Damit ließe sich bei den Nebenkosten sparen, was möglicherweise an Mehraufwand bei Miete und Service anfällt.
Service war das Stichwort für Petra Willke-Fischer, die in der städtischen Service-Agentur Neues Wohnen Menschen unterstützt, die sich rechtzeitig auf gemeinschaftliches Wohnen im Alter vorbereiten wollen. Aktuell sind das in Hildesheim etwa hundert Interessierte, die sich in sieben Initiativgruppen zusammengeschlossen haben. Am Beispiel des Wohnprojekts, das mit Hilfe der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBG) im Michaelisviertel umgesetzt wird, erläuterte sie die Prinzipien des gemeinschaftlichen Wohnens. Dort besteht die Gruppe aus acht Personen, zu der noch weitere acht stoßen können. Es geht um acht Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, die natürlich rundum barrierefrei ausgestattet sind. Die Gruppe verwaltet die Anlage selbst, entscheidet gemeinsam über die Vergabe der Wohnungen und organisiert selbst das Zusammenleben im Haus. Selbständigkeit und Gemeinschaft sollen in Einklang gebracht werden – so gibt es etwa einen Gemeinschaftraum, eine Gästewohnung sowie einen Gemeinschaftsgarten. Es sei so ähnlich wie in einer Studenten-WG, meinte Willke-Fischer. Neben dem hier entstehenden Investorenmodell gäb es auch selbst finanzierte Eigentumsprojekte oder Genossenschaftsmodelle. In Großstädten seien die „Senioren-Kommunen“ inzwischen der Renner, und natürlich fiel auch der Name des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Henning Scherf, der diese Wohnform populär machte. Für das Michaelisvier-tel stand der Mietpreis schon fest: die Grundmiete reiche von etwa 610 bis 930 Euro im Monat.
Wenn die das Interesse an den ausgelegten Prospekten ein Gradmesser ist, wird die Statistik zumindest in Hildesheim erheblich höhere Werte für das betreute und das gemeinsame Wohnen ausweisen.
 





 

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