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Hartmut Häger: Traurig über hilflose Streichaktion

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Noch steht die Dame allein vor verschlossener Tür. Aber ehrenamtliche Hilfe naht!

05. April 2010 0 Kommentare

(tH) Seit dem 1. März sind die beiden Toiletten im Verwaltungsgebäude des Südfriedhofs nach Dienstende geschlossen. Nach 16 Uhr, freitags ab 13 Uhr und am Wochenende gibt es keine Abhilfe mehr bei dringenden Bedürfnissen. Vor Trauerfeiern am Freitagnachmittag oder am Samstag sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am besten nichts trinken.

Die Stadt muss sparen. Deshalb kündigte die Verwaltung den Vertrag mit dem privaten Schließdienst. Für das morgendliche Auf- und abendliche Abschließen stellte die Stadt 20.000 Euro in den Haushalt. Nicht allein für den Südfriedhof, sondern an allen städtischen Friedhöfen und zwei Bolzplätzen. Abgerechnet wurden im letzten Jahr 5.626,32 Euro bei den Friedhöfen und bei den Bolzplätzen 8.368,08 Euro.
Bei den Bolzplätzen im Bockfeld und in der Nordstadt kamen Anlieger der Stadt zu Hilfe. Am Südfriedhof zeigten sich die unmittelbaren Anlieger überrascht von der Toilettenschließung: Man habe davon erst aus der HAZ erfahren, also fast vier Wochen nach Beginn der Sparmaßnahme. Niemand sei um Hilfe gebeten worden. Einer der Nachbarn erinnert sich, dass schon früher einmal ehrenamtliche Hilfe entgegengenommen wurde. Dass der Schließdienst auch heute unaufgeregt zu regeln gewesen wäre, zeigt das Beispiel der Itzumerin Carmen Röwer, die sich die Nöte insbesondere älterer Friedhofsbesucherinnen zu Herzen nahm.
Die Frage ist, warum es zu dem öffentlichen Aufschrei kommen musste. Die Antwort: Weil die Verwaltung nicht mehr mit den Bürgerinnen und Bürgern spricht. Das Presseamt bestätigt: „Es wurden keine Personen um Hilfe gebeten. Die Bürger haben selbst angefragt.“ Ratsherr Hartmut Häger ist traurig über die hilflose Streichaktion. „Der Oberbürgermeister hat vor acht Monaten die Parole „Hildesheim ins Plus! Wir packen das.“ ausgegeben. Über das Internet oder die lokale Presse sollten praktische Beispiele vermittelt werden, die zeigen, wie sich der Einzelne aktiv einbringen kann. Auf der Internetseite der Stadt stehen bis heute genau zwei: Eine 6.000-Euro-Spende für den neuen Ton des Stadttrompeters am Rathausgiebel wurde für die Aktion vereinnahmt, außerdem wird für die Neuauflage der altbekannten Baumpatenschaften geworben.
Traurig ist Häger nicht nur, weil die Menschen überhaupt nicht beteiligt wurden, sondern auch, weil die Verwaltung den Rat außen vor ließ. Dabei sei der Rat sowohl am 15. Februar als auch am 15. März zusammengekommen. Eine Mitteilung der Verwaltung habe es weder hier noch in den Ausschüssen oder Arbeitskreisen gegeben, die das Thema „Sparen“ auch auf der Tagesordnung hatten. Hinter den Rathausmauern ist die öffentliche Reaktion allerdings wahrgenommen worden. Wie der Mundfunk berichtet, soll die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBG), die bereits alle anderen öffentlichen Toiletten betreut, Hilfe angeboten haben. Und auch über einen kleinen Obolus für Ehrenamtliche werde nachgedacht.
 



 

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